„Ist doch eigentlich ganz einfach.“
„Wird schon wieder.“
Solche Sätze sind meistens gut gemeint. Sie sollen Mut machen, beruhigen oder einen Weg aus einer schwierigen Situation zeigen. Und trotzdem können gerade solche gut gemeinten Ratschläge verletzen.
Denn wer gerade trauert, vor einer Trennung steht, Angst hat oder nicht mehr weiterweiß, erlebt seine Situation eben nicht als einfach.
Auch in Hilfsangeboten und Kursen beobachte ich eine Tendenz, Schweres möglichst schnell leicht machen zu wollen: Jemand hat eine Erfahrung bereits gemacht und zeigt nun anderen die vermeintliche Abkürzung. Was ihm geholfen hat, soll auch für andere funktionieren.
Bei technischen Problemen mag das funktionieren. Bei Gefühlen gibt es für mich keinen Shortcut.
Ein Ratschlag kann durchaus richtig sein und trotzdem im falschen Moment nicht helfen. „Dann trenn dich doch“ mag von außen logisch erscheinen. „Du musst loslassen“ kann gut gemeint sein. Und natürlich möchte jemand mit „Das wird schon wieder“ Hoffnung vermitteln.
Beim Gegenüber kann jedoch etwas anderes ankommen: Du machst es dir unnötig schwer. Du solltest längst weiter sein. Deine Gefühle sind eigentlich nicht angemessen.
Genau darin liegt für mich das Problem. Nicht unbedingt in der Absicht hinter einem Satz, sondern in dem, was er beim anderen auslösen kann.
Bevor wir einen Weg zeigen, lohnt es sich deshalb oft, zunächst zu verstehen, wo der andere gerade steht.
Zu trauern, mit einer Trennung zu hadern, Probleme auf der Arbeit anzusprechen oder zu sich selbst zu stehen – all das kann unglaublich schwer sein, wenn man gerade nicht mehr weiterweiß.
Ich kann mich noch gut an eine Situation erinnern: ich saß mit meinen Eltern im Auto, vermutlich war ich um die 14 Jahre alt. Mein Vater war am Steuer.
Mir war klar, wie viele Menschen Auto fahren und da ich das auch irgendwann wollte, war mir wichtig, zu hören, wie leicht das ist. Machen ja schließlich ganz viele, kann also nicht so schwer sein, dachte ich und fragte nach: „Ist es leicht, Auto zu fahren?“
Die Antwort meines Vaters hat mich erst mal total überrascht und etwas entrüstet zurückgelassen: „Nein, Auto fahren ist schwer.“ Auf meine etwas geknickte Rückfrage „Wieso denn?“ hat er ausgeholt: „Weil man nie weiß, was die anderen machen, und ganz vieles im Blick haben muss.“
Ich habe diese Szene nie vergessen, weil mein Gefühl so präsent war: die Enttäuschung, dass es doch nicht leicht ist – nur weil es viele machen.
Heute verstehe ich, warum ich damals unbedingt ein „Ja“ hören wollte: Die Vorstellung, dass etwas leicht ist, nimmt uns ein Stück Unsicherheit.
Doch dieser Wunsch übersieht etwas Wichtiges: Menschen scheitern selten an fehlendem Wissen, sondern an Angst, Unsicherheit, Trauer oder Überforderung. Oft ist eine mögliche Lösung sogar bekannt – schwer vorstellbar ist der Weg dorthin.
Das Gleiche gilt für unsere Gefühle: Nur weil viele Menschen vermissen, trauern oder durch Trennungen gehen, wird die einzelne Erfahrung dadurch nicht leichter. Gerade in der Trauerbegleitung ist es deshalb so wichtig, den individuellen Weg eines Menschen in den Mittelpunkt zu stellen.
Was für den einen leicht ist, kann für den anderen unglaublich schwer sein. Und wie schwer etwas ist, sollte nicht derjenige entscheiden, der von außen darauf schaut.
Das zeigt sich auch bei schwierigen Entscheidungen: Was von außen eindeutig erscheint, kann sich für den Menschen, der die Entscheidung treffen muss, völlig anders anfühlen.
Auch wenn dir jemand von seinem Weg erzählt: Das mag für ihn gepasst haben, sagt aber noch nichts über deine Situation aus. Keiner geht deinen Weg – nur du selbst.
Das Beispiel aus dem Auto zeigt für mich etwas Wichtiges: Es ist nicht das, was andere hören wollen, was wichtig ist. Viel wichtiger ist, wie die Situation für den anderen tatsächlich aussieht und wie sie sich für ihn anfühlt. Das ist jedoch in vielen Fällen ehrlicher und realistischer als alles positiv darzustellen und für gute Laune zu sorgen.
Mir ist dadurch früh bewusst geworden, wie viel Verantwortung darin liegt, wie wir über die Schwierigkeiten anderer sprechen. Und so lohnt es sich – meiner Meinung nach – auch immer Menschen mit Blick auf ihre ganz individuelle Situation zu begegnen.
Nichts klein zu reden, nur weil man selbst etwas anders sieht, sondern eine Schwere zuzulassen, wenn dein Gegenüber etwas als schwer erlebt – egal wie leicht dir das fällt oder wie du damit umgehst. Gefühle sind individuell. Trauer, Angst oder Unsicherheit kennen viele Menschen – aber niemand erlebt sie exakt so wie ein anderer.
Es tut gut, wenn jemand sagt: „Ich kann verstehen, dass sich das für dich gerade unglaublich schwer anfühlt.“
Dann fühlen wir uns verstanden.
Das bewertet nichts, drängt zu nichts und lässt das Gefühl zunächst einfach da sein.
Menschen brauchen oft nicht als erstes eine Lösung oder jemanden, der immer sagt: „Das wird schon.“
Vielmehr ist es oft ein „Ich verstehe, dass sich das gerade so anfühlt.“ Hier entsteht Begegnung und kein Ab- oder Zuspruch. Es darf auch alles einfach mal so sein.
Und genau dort beginnt oft der Weg nach vorne.
Nicht, indem wir die Schwere kleinreden, sondern indem wir sie anerkennen und von dort aus weiterhelfen. Gerade bei Verlust und der Angst davor kann es entscheidend sein, Menschen damit nicht allein zu lassen, sondern da zu sein.
Zum Beispiel:
Statt
❌ „Dann trenn dich doch.“
lieber
✅ „Was macht diese Entscheidung für dich so schwer?“
Statt
❌ „Andere haben das auch geschafft.“
lieber
✅ „Was würde dir im Moment helfen?“
Statt
❌ „Mach dir nicht so viele Gedanken.“
lieber
✅ „Möchtest du erzählen, was dir gerade durch den Kopf geht?“
Nicht jeder schwere Moment braucht sofort eine Lösung. Manchmal beginnt Hilfe damit, einem Menschen zuzugestehen, dass etwas gerade genauso schwer sein darf, wie es sich für ihn anfühlt.
Wir müssen den Weg eines anderen nicht kennen, um ein Stück mitzugehen. Wir müssen nicht alles leichter machen. Aber wir können zuhören, ernst nehmen und da sein.
Und vielleicht ist genau das manchmal hilfreicher als gut gemeinte Ratschläge.
Genau dort setze ich in meiner Arbeit an: bei dem, was gerade schwer ist – ohne es klein zu reden. Wenn du dir jemanden wünschst, der deinen Weg ein Stück mitgeht, melde dich gern bei mir.
Ich bin Uta und begleite als Psychologin Menschen in schweren Zeiten und an persönlichen Wendepunkten – mit Klarheit und menschlicher Nähe.
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