„Ich müsste doch eigentlich…“
Vielleicht kennst du diesen Gedanken.
Leise, aber drängend. Ein Gefühl, dass etwas von dir erwartet wird, auch wenn es niemand laut ausspricht.
Unser Leben ist voll von solchen Erwartungen. Im Privaten, in Freundschaften, in der Familie und natürlich auch im Job:
Mit Erwartungen anderer umzugehen, kann sich manchmal schwer anfühlen. Und vielleicht hast du schon gemerkt: Es ist kaum möglich, allem gerecht zu werden.
Was wird von dir erwartet: als Freund, als Tochter oder Sohn, als Partner oder auch als Nachbar?
Vielleicht
Und oft passiert etwas ganz subtiles im Hintergrund: Du beginnst, dich daran auszurichten. Nicht unbedingt bewusst, aber spürbar.
Und irgendwann entsteht der Druck: Ich müsste doch…
Doch egal, wie sehr du dich bemühst, es wird nie gelingen, allem und jedem gerecht zu werden. Menschen, die es versuchen, sind oft erschöpft, kommen an ihre Grenzen und verlieren leicht den Kontakt zu sich selbst.
Erwartungen zeigen vor allem eines: Was andere sich (von dir) wünschen. Nicht mehr und nicht weniger.
Und doch fühlen sie sich oft an, als wären sie verbindlich. Als müsste man ihnen folgen, um gemocht zu werden oder um dazuzugehören.
Gerade in Familien entsteht manchmal Druck durch Erwartungen. Vorstellungen darüber, wie du dich verhalten solltest. Wie oft du dich melden solltest. Wie präsent du sein solltest. Wie „man“ miteinander umgeht.
Und gleichzeitig spürst du vielleicht:
So fühlt es sich für mich gar nicht richtig an.
Genau da entsteht Spannung.
Denn es geht nicht darum, Erwartungen einfach abzulehnen, sondern darum, für dich zu klären:
Was passt zu mir und was nicht?
Wenn du keine Grenzen setzt, wirst du irgendwann spüren, dass du so nicht weitermachen kannst oder willst. Viele Menschen fragen sich, wie sie mit Erwartungen anderer umgehen können.
Wer keine Grenzen setzt, der stößt irgendwann an seine Grenzen.
Manchmal merken wir gar nicht sofort, dass wir über unsere eigenen Grenzen gehen. Wir funktionieren. Wir passen uns an. Wir machen weiter. Bis es sich irgendwann laut zeigt: In Erschöpfung, in Gereiztheit oder im Gefühl, dass alles zu viel wird.
Oder ganz still in Gedanken wie: Ich will das eigentlich gar nicht mehr.
Grenzen zu setzen bedeutet nicht, andere vor den Kopf zu stoßen. Es bedeutet, dich selbst ernst zu nehmen.
Und oft beginnt das mit einer einfachen Frage: Was ist mir gerade zu viel?
Wenn Erwartungen Druck auslösen, hilft es selten, sofort alles zu verändern. Hilfreicher ist ein erster Schritt nach innen.
Frag dich in solchen Momenten:
Will ich das wirklich oder glaube ich, dass ich es sollte?
Habe ich gerade die Kraft dafür?
Würde ich mich genauso entscheiden, wenn niemand etwas erwarten würde?
Du kannst auch auf deinen Körper achten: Fühlt sich deine Entscheidung für dich innerlich eher eng an oder frei?
Solche kleinen Check-ins helfen dir, wieder bei dir selbst anzukommen.
Es ist jedoch nichts, was du auf einmal löst. Mit Erwartungen anderer umzugehen ist etwas, das du immer wieder für dich klärst.
Wenn du merkst, dass du automatisch „Ja“ sagen willst, probiere Folgendes:
Mach eine kurze Pause (innerlich reicht)
Sag nicht sofort zu
Erlaube dir einen Satz wie:
„Ich überlege mir das kurz.“
„Ich gebe dir später Bescheid.“
Das schafft Raum. Und genau in diesem Raum kannst du eine bewusstere Entscheidung treffen.
Sobald du beginnst, dich klarer auszurichten, verändert sich etwas. Nicht nur in dir, sondern auch in deinen Beziehungen. Denn nicht jede Erwartung wird sich mit deinem eigenen Empfinden decken. Manches lässt sich ausgleichen, manches klären. Und manches bleibt unterschiedlich. Das kann irritieren, sowohl dich als auch den anderen. Und ja, manchmal bedeutet es auch,
Das ist nicht immer leicht, aber oft ehrlicher.
Gerade in der Beziehung zu den eigenen Eltern wird das besonders deutlich.
Auch wenn wir immer die Kinder unserer Eltern bleiben, verändert sich etwas, wenn wir erwachsen werden. Wir treffen eigene Entscheidungen. Gehen eigene Wege – möglicherweise auch gegen den Rat unserer Eltern. Haben eigene Prioritäten.
Und trotzdem stehen oft (unbewusst oder bewusst) noch alte Erwartungen im Raum. Wir bleiben schließlich auch Sohn oder Tochter.
Auch wenn es nicht leicht ist, hilft es beiden Seiten, sich immer wieder in Akzeptanz zu üben und die Beziehung füreinander über die eigenen (möglicherweise nicht erfüllbaren) Erwartungen zu stellen. Mach dir immer wieder bewusst: Augenhöhe mit deinen Eltern ist kein Bruch, sondern vielmehr eine wichtige Entwicklung.
Es geht nicht darum, sich abzuwenden, vielmehr geht es darum sich (neu) zu begegnen.
Ein Bereich, in dem Erwartungen besonders schwer wiegen können, ist Trauer.
Gerade hier zeigt sich, wie stark gesellschaftliche Vorstellungen sein können. Wie lange Trauer „dauern darf“. Wie sie aussehen sollte. Was als „angemessen“ gilt.
Sätze wie
„Jetzt müsste es doch langsam besser sein“
oder
„So kannst du doch nicht weitermachen“
sind oft nicht böse gemeint und treffen doch tief.
Denn Trauer ist nichts, was sich von außen einordnen lässt. Sie ist individuell, unvorhersehbar und manchmal widersprüchlich.
Und das ist alles okay. Niemand kann und sollte von außen festlegen, was für dich richtig ist.
Vielleicht ist genau das der wichtigste Punkt:
Vertraue deinen Gefühlen, deiner Trauer mehr als den Erwartungen anderer.
Keiner fühlt, was du fühlst. Du darfst deiner Trauer mutig begegnen und ihr den Raum geben, den sie braucht. Erlaube dir, dir die (Aus)Zeit zu nehmen, die du für nötig und richtig hältst.
Geh mutig mit deinen Gefühlen um und sprich darüber. Bitte um Unterstützung, wenn du spürst, dass dir das helfen könnte.
Dein Leben darf und muss sich neu ordnen und das geht nur in deinem Tempo, mit deiner Kraft und nicht gemäß den Erwartungen anderer oder einer Gesellschaft, in der Trauer noch nicht angekommen ist.
Wir alle haben Erwartungen. An andere und an uns selbst. Und oft sprechen wir sie gar nicht aus.
Vielleicht erwarten wir mehr Nähe, mehr Zeit oder mehr Verständnis.
Und gleichzeitig merken wir, dass der andere etwas anderes lebt. Dann entsteht Spannung und vielleicht auch Enttäuschung.
Manchmal hilft es, das zu benennen.
Und manchmal hilft es, einen Schritt weiterzugehen: Erwartungen loszulassen.
Auch wenn sie nicht falsch sind, sondern weil sie dich festhalten können. Wenn du weniger erwartest, entsteht oft mehr Raum:
Erwartungen gehören zum Leben. Aber sie müssen dich nicht bestimmen. Du darfst für dich herausfinden, was für dich stimmig ist. Du darfst Grenzen setzen, dich abgrenzen und dich dich damit selbst ernst nehmen.
Vielleicht beginnt genau dann etwas Neues:
Wenn du dich weniger danach richtest, was andere von dir erwarten und mehr danach, was für dich wirklich passt.
Denn am Ende zählt nicht, was andere von dir wollen, sondern viel mehr:
Wie möchtest du leben?
Wer möchtest du sein?
Zum Weiterlesen:
Wenn du merkst, dass dich Erwartungen festhalten, kann es auch hilfreich sein, dich intensiver mit dem Loslassen von Erwartungen auseinanderzusetzen.
Ich bin Uta und begleite als Psychologin Menschen in schweren Zeiten und an persönlichen Wendepunkten – mit Klarheit und menschlicher Nähe.
Wenn du dir meine Unterstützung wünschst, wieder mehr aus dir heraus handeln möchtest, buch dir hier ein unverbindliches Kennenlerngespräch.
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