Raus aus dem Autopilot

Wenn alles zu viel wird und Ereignisse sich überschlagen. Von „funktionieren“ zu „bewusster leben“.

Beitragsinhalt

„Das Leben zieht an mir vorbei.“

Wenn alles zu viel wird, Ereignisse sich überschlagen und gefühlt über dir zusammenbrechen, schaltet dein System automatisch in einen Funktionsmodus. Viele erleben das wie einen inneren „Autopiloten“, der hilft, weiterzumachen und handlungsfähig zu bleiben. Was zunächst schützt, kann langfristig dazu führen, dass wir uns selbst weniger spüren.

Das Gefühl „(nur noch) zu funktionieren“

Das Gefühl „nur noch zu funktionieren“ kann kurzfristig sehr hilfreich sein. Besonders nach schweren Schicksalsschlägen, belastenden Ereignissen oder erschütternden Nachrichten gerät unser System ganz automatisch in einen Funktionsmodus. Menschen handeln weiter, erledigen Notwendiges und treffen Entscheidungen, ohne viel darüber nachdenken zu müssen. Oft wird dies als eine Art „Autopilot“ erlebt.

Autopilot als Überlebens- bzw. Anpassungsmodus

Dieser Modus ist zunächst ein Schutzmechanismus: Er hilft, handlungsfähig zu bleiben, wenn Gefühle zu überwältigend wären.

Bleibt dieser Zustand jedoch über längere Zeit bestehen, kann sich das emotionale Erleben verengen. Freude, Lebendigkeit oder Verbundenheit werden weniger spürbar, und der Alltag wird eher bewältigt als bewusst erlebt.

In einem dauerhaften Funktionsmodus kann es außerdem passieren, dass deine eigenen Bedürfnisse, Wünsche oder Lebensziele in den Hintergrund treten; nicht aus mangelndem Willen, sondern weil dein System weiterhin auf Bewältigung ausgerichtet ist.

Bewusst handeln statt automatisch reagieren

Vergangenes lässt sich vielleicht nicht mehr ändern. Was du jedoch beeinflussen kannst, wenn alles nur noch an dir vorbeizuziehen scheint: den Autopilot-Modus immer wieder bewusst zu unterbrechen.

Das beginnt mit kleinen Momenten der Aufmerksamkeit:

  • Warum tue ich gerade, was ich tue?
  • Was ist jetzt ein nächster, kleiner Schritt?

Bewussteres Handeln verlangsamt das Tempo und ermöglicht es dir, wieder wahrzunehmen, was um dich herum und in dir geschieht.

Unter Dauerbelastung verengt sich unsere Wahrnehmung, wir sind wie im Tunnel oder wie auf der Überholspur. Wir funktionieren weiter, verlieren jedoch leicht den Blick für unsere Bedürfnisse, Grenzen und Erholungsphasen.

Bewusst innezuhalten kann dir helfen, rechtzeitig zu spüren, wann du eine Pause brauchst und was dir wirklich guttut.

Bewusster wahrnehmen bedeutet auch, wieder in Kontakt mit dir selbst zu kommen.

Nimm dir immer wieder einen Moment, um nach innen zu spüren:

  • Wie geht es mir gerade?

  • Was ist mir im Moment wichtig?

  • Was braucht jetzt meine Aufmerksamkeit? Und was darf warten?

  • Was nehme ich in meinem Körper wahr?

  • Was fühle ich gerade?

Wenn wir im reinen Funktionsmodus sind, treten Gefühle und innere Signale oft in den Hintergrund. Dabei enthalten sie wichtige Hinweise auf unsere Bedürfnisse, Grenzen und das, was uns guttut.

Wieder bewusst wahrzunehmen bedeutet nicht, alles sofort zu verändern, sondern zunächst, wieder in Kontakt mit dir selbst zu kommen.

Autopilot als Distanzierung von unangenehmen Gefühlen

Der Funktionsmodus kann auch dazu dienen, belastende oder unangenehme Gefühle vorübergehend auf Abstand zu halten. Das ist zunächst ein verständlicher Schutzmechanismus unseres Nervensystems.

Kurzfristig kann es entlastend sein, zu funktionieren und Emotionen nicht vollständig zuzulassen. Werden Gefühle jedoch über längere Zeit vermieden oder unterdrückt, können sie sich auf anderen Wegen bemerkbar machen: etwa durch anhaltende innere Anspannung, Schlafprobleme, Unruhe, Erschöpfung oder psychosomatische Beschwerden.

Es kann deshalb hilfreich sein, die eigenen Gefühle schrittweise wieder wahrzunehmen, statt dauerhaft im „Autopilot-Modus“ zu bleiben.

Wenn du selbst keinen Weg siehst, wie es weitergehen kann, kann dir professionelle Unterstützung dabei helfen.

Mit mehr Bewusstheit innerlich ausgeglichener werden

Auch wenn bewusste Wahrnehmung zunächst Kraft kosten kann, ermöglicht sie dir, wieder mehr zu spüren und dein Leben nicht nur zu bewältigen, sondern bewusster zu erleben.

Ob wir wollen oder nicht, wir sind mitten in unserem Leben. Manchmal möchten wir vor schmerzhaften Realitäten die Augen verschließen, und das ist verständlich. Doch Schritt für Schritt kann es entlastend sein, das wahrzunehmen, was gerade da ist,  auch wenn es sich noch nicht annehmen lässt.

Bewusst wahrzunehmen bedeutet nicht, alles sofort verändern zu müssen. Es bedeutet, den Autopilot-Modus nach und nach zu verlassen und wieder mehr Einfluss auf den eigenen Weg zu gewinnen.

Auch wenn der Weg im Moment nicht sichtbar ist, musst du ihn nicht allein finden. Mit anderen zu sprechen kann entlasten und neue Perspektiven eröffnen.

Wenn Bereiche deines Lebens an dir vorbeirauschen, kann es hilfreich sein, dies zunächst wahrzunehmen. Etwa dann, wenn ein Tag vergeht, ohne dass du dich an vieles erinnern kannst.

So wie in der Ruhe, liegt auch in bewusster Wahrnehmung eine besondere Kraft.

In welchem Bereich deines Lebens möchtest du wieder bewusster werden?

Zum Weiterlesen:

Mit Katastrophen umgehen

Wieder mehr fühlen

Über die Autorin

Ich bin Uta und begleite als Psychologin Menschen in schweren Zeiten und an persönlichen Wendepunkten – mit Klarheit und menschlicher Nähe.
Wenn du nicht mehr weiter weißt oder du mit meiner Unterstützung deinen Weg finden möchtest, buch dir hier ein unverbindliches Kennenlerngespräch.

Übersicht

Diesen Beitrag teilen