Es gibt Freundschaften, die ein Leben lang bleiben. Und es gibt Freundschaften, die langsam verschwinden. Eine Freundschaft zu verlieren, geschieht oft nicht durch einen großen Streit, sondern eher leise und schleichend. Wenn aus Menschen, die uns einmal sehr nah waren, plötzlich Fremde werden, hinterlässt das oft eine Lücke, über die nur selten gesprochen wird.
Es rührt mich immer zutiefst, wenn ich Menschen höre, die mir erzählen, dass Sie sich schon aus der Kita kennen, die Freundschaft seit geraumer Zeit besteht – und also gehalten hat.
Wenn Menschen aus Schulzeiten auch noch im Erwachsenenalter gemeinsam durchs Leben gehen, sich zur Seite stehen. Und auch der Tod beendet für mich Freundschaft nicht, weil dieses Band, diese tiefe Verbindung, über das Leben hinaus bestehen kann.
Das klingt nach Märchen, aber ich erlebe es immer wieder und es trifft mich, ganz tief im Innersten. Das ist Liebe in einer Form, die so wichtig ist für alle anderen Beziehungen, für unser Wohlbefinden, für unsere Identität, für unsere Arbeit und vieles mehr. Herzensmenschen, die sich gegenseitig immer wieder berühren, die sich brauchen und füreinander da sind. Das sind Erfolgsgeschichten ohne Urkunde an der Wand. Das ist Blut, das durch Herzen fließt. Und beide wissen es einfach.
Ich kenne auch das Gegenteil nur zu gut. Der Verlust einer Freundschaft kann ähnlich schmerzhaft sein wie das Ende einer Partnerschaft – wird gesellschaftlich jedoch oft deutlich weniger wahrgenommen. Wenn Freundschaften nicht halten, zerbrechen. Wenn aus richtig guten, tiefen Freunden plötzlich oder schleichend Fremde werden.
Das ist sicherlich nötig, wenn Werte nicht mehr passen, Enttäuschungen viel zu groß sind oder kein Vertrauen mehr besteht oder möglich ist. In manchen Fällen ist es richtig und dann auch irgendwie erklärbar – in anderen ist es schmerzhaft, wenn es eigentlich keinen offensichtlichen Grund gibt.
Wenn die Freundschaft versiegt, wie Sand, der durch eine Sanduhr fällt und irgendwann aufgebraucht ist. Keiner sich mehr meldet oder sich keiner mehr traut beim anderen anzuklopfen, nachzuhören, wie es dem anderen geht. Wenn es keine Rolle mehr spielt, was gerade im Leben des anderen präsent ist. So wird man zu Fremden. So verliert man Tiefe, wenn Gedanken und Gefühle nicht mehr geteilt werden können oder nicht mehr interessieren. So entsteht Oberfläche, die nicht mehr nährt.
Bedürfnisse nach Kontakt sind verschieden, das ist normal. Entscheidend ist nicht, wer sich wie oft meldet. Entscheidend ist, ob die Verbindung noch lebt. Und dafür entwickeln Menschen oft ein feines Gespür.
Eine junge Klientin hat sich mal bei mir ausgeweint, dass immer sie diejenige ist, die sich bei ihrer Freundin meldet. Die Freundin meldet sich nie. Ich habe ihr dann deutlich vor Augen führen können, dass es nicht entscheidend ist, wer sich wie oft meldet, sondern dass es um die Reaktion geht. Die Freundin hat sich immer mega gefreut, es kam daraufhin immer zu schönen Treffen. Ihr Kontaktangebot wurde also angenommen. Anders sieht es aus, wenn sich einer immer meldet, aber Treffen nicht angenommen, verschoben werden ohne konkret zu sein und es keine Aussicht auf Kontakt, Nähe oder Kommunikation gibt. Hier entsteht bei der anderen Seite leicht der Eindruck, dass die Freundschaft nicht mehr dieselbe Bedeutung hat wie früher. Das Gefühl kann aufkommen, kaum oder sogar nicht mehr im Leben des anderen vorzukommen. Das kann zu emotionaler Abhängigkeit führen, gerade auch, wenn Ambivalenz ein dominantes Muster ist – heute nah und morgen lieber doch nicht.
Besonders schwierig wird es, wenn beide Menschen die Verbindung unterschiedlich erleben. Während die eine Seite unter der Distanz leidet, kann die andere sie als notwendig empfinden, um den Kontakt überhaupt aufrechterhalten zu können. Dann treffen oft keine bösen Absichten aufeinander, sondern unterschiedliche Bedürfnisse und Möglichkeiten, Nähe zu gestalten. Das macht den Schmerz nicht kleiner, hilft aber manchmal dabei, die Situation weniger als persönliche Zurückweisung zu verstehen.
Ein schleichender Kontaktverlust schmerzt sogar oft mehr als ein klarer Bruch. Bei schleichenden Prozessen bleibt oft die Hoffnung, dass es wieder besser wird. Eine Seite bemüht sich, sieht das Verbindende und die wertvolle Geschichte und wird dann womöglich immer wieder enttäuscht. Versucht diese Seite dann Abstand zu finden, kommt es oft wieder aus der anderen Richtung zu Kontakt, der oft nur kurz und meist auch oberflächlich bleibt. Und das Spiel beginnt von vorne.
Möglicherweise sind unterschiedliche Bedürfnisse nach Nähe und Kontakt beteiligt, die jedoch nicht besprochen werden. So leidet derjenige, der sich mehr vom anderen wünscht und dafür viel gibt – und letztendlich oft Enttäuschung erlebt. Klar kann man sagen, ich bleibe dran und melde mich halt – aber es wird zu keiner erfüllten Freundschaft führen. Der andere ist nicht im selben Maß an der Freundschaft interessiert. Das zeigt sich häufig darin, dass richtige Treffen oder tiefere Gespräche immer seltener werden. Für denjenigen, dem die Verbindung wichtig ist, wirkt das oft kühl, distanziert oder teilnahmslos. Das kann auf Dauer dazu führen, dass sich derjenige zurückzieht, der eigentlich um die Freundschaft bemüht ist. Nicht, weil sie ihm egal geworden wäre. Sondern weil jede Kontaktaufnahme Überwindung kostet. Weil man Ablehnung fürchtet. Weil man nicht weiß, ob sich der andere überhaupt noch freut. Und weil die Verbindung irgendwann mehr Kraft kostet, als sie schenkt.
Abstand zu halten, ist schwer, aber manchmal gesünder. Der klare Bruch kann eine Möglichkeit sein, für Transparenz zu sorgen und dabei die eigenen Grenzen zu wahren. So können aus wichtigen Verbindungen leider auch Menschen werden, die sich mal kannten, eine Wegstrecke gemeinsam gegangen sind, sich nun aber nicht mehr viel zu sagen haben. Klar kann der Kontakt später mal wieder aufkommen. Aber wenn Konstanz fehlt, fehlen eben auch Lebensabschnitte und Verbindungselemente, die nicht mehr aufzuholen sind. Zeiten, die alleine oder mit anderen durchgestanden wurden.
Für mich macht genau das eine enge Freundschaft aus: eine gewisse Konstanz und Verlässlichkeit. Das Gefühl, dass der andere grundsätzlich da ist – manchmal ruhiger, manchmal involvierter, aber verbunden.
Zu wissen, was den anderen gerade beschäftigt. Wie es ihm wirklich geht. Teil seiner Welt zu sein und nicht nur zu wissen, dass es ihn oder sie irgendwo da draußen gibt.
Wie viel Kontakt dafür nötig ist, darf jeder für sich selbst herausfinden. Für manche reicht ein Treffen im Jahr. Andere erleben diese Distanz bereits als Entfremdung, besonders wenn eigentlich mehr Nähe möglich wäre. Entscheidend ist letztlich nicht die Häufigkeit des Kontakts, sondern ob sich beide mit dem Maß an Nähe verbunden und gesehen fühlen.
Vielleicht gibt es jemanden aus deiner Vergangenheit, an den du gerade denkst. Bei dem du dich mal wieder gerne melden magst. Weil ihr immer schöne Zeiten hattet, weil du die nicht missen magst oder einfach nur mal so, weil dir der andere etwas bedeutet und er das auch wissen darf.
Lass bitte nicht zu, dass aus deinen Freunden Fremde werden. Fremde gibt es doch schon viel zu viele.
Ich bin Uta und begleite als Psychologin Menschen in schweren Zeiten und an persönlichen Wendepunkten – mit Klarheit und menschlicher Nähe.
Wenn du dir meine Unterstützung wünschst, melde dich gern über das Kontaktformular oder buch dir hier ein unverbindliches Kennenlerngespräch.
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