Emotionen regulieren

Was hilft, wenn plötzlich alles zu viel wird. Warum emotionale Blitzableiter bei Trauer, Krisen und hoher innerer Anspannung helfen können.

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Wenn plötzlich ein Blitz ins Leben einschlägt

Manchmal schlägt etwas in unser Leben ein, auf das wir nicht vorbereitet waren.

Das kann eine Nachricht sein, ein Verlust, eine Trennung oder eine Enttäuschung. Etwas, das von einem Moment auf den anderen verändert, was vorher sicher schien. Ein Zustand der sich gefühlt nicht aushalten lässt, eine emotionale Überforderung, die auf uns einbricht.

Plötzlich ist da eine ungeheure innere Spannung. Du möchtest raus aus deiner Haut, möchtest das Gefühl irgendwie loswerden, aber weißt nicht, wohin damit. Vielleicht kannst du nicht aufhören zu weinen, bist unruhig, wütend, verzweifelt oder spürst den Druck sogar körperlich.

Das Problem: Manche Situationen lassen sich nicht lösen. Zumindest nicht jetzt.

Was dann helfen kann, ist etwas anderes: ein Weg, die innere Spannung für einen Moment zu reduzieren, ohne das Gefühl wegzudrücken.

Ein emotionaler Blitzableiter.

Ein emotionaler Blitzableiter ist für mich etwas, das starke innere Spannung vorübergehend reduziert, ohne dass das zugrunde liegende Gefühl verschwinden oder die Situation gelöst sein muss.

Was passiert, wenn emotionale Spannung zu groß wird?

Es gibt Situationen im Leben, die uns emotional so vereinnahmen, dass wir zunächst kaum wissen, wie wir mit dem umgehen sollen, was gerade passiert ist.

Wir werden vielleicht ganz still oder beginnen zu weinen. Wir werden wütend, laut oder würden am liebsten aus unserer Haut fahren. All das kann dem Ausdruck verleihen, womit wir gerade nicht klarkommen.

Aber es löst die Situation nicht.

Ein Verlust bleibt ein Verlust. Eine schlimme Nachricht bleibt schlimm. Ein Unfall lässt sich nicht rückgängig machen.

Zurückbleiben können innere Spannung und Druck. Vielleicht spüren wir sie in der Brust oder im Kopf. Das Gehörte schlägt uns auf den Magen, der Appetit verschwindet oder wir bekommen Kopfschmerzen. Körper und Gedanken kommen einfach nicht zur Ruhe.

Warum wir nicht immer sofort eine Lösung brauchen

In solchen Situationen geht es zunächst gar nicht darum, eine Lösung herbeizuführen. In vielen Fällen gibt es sie in diesem Moment überhaupt nicht.

Es geht zunächst darum, zu begreifen, was passiert ist. Zu erfassen, was diese Nachricht, dieser Verlust oder diese Veränderung für das eigene Leben bedeutet.

Manchmal verändert sich etwas unwiderruflich. Dann kann die Aufgabe nicht darin bestehen, möglichst schnell wieder den alten Zustand herzustellen. Vielmehr brauchen wir einen Umgang mit dem, was jetzt da ist.

Und genau dabei kann Regulation helfen.

Emotionen regulieren statt verdrängen: ein wichtiger Unterschied

Manche Menschen stürzen sich nach einem schlimmen Ereignis in Arbeit, Sport oder unaufhörliche Aktivität. Nicht immer steckt dahinter Verdrängung. Auch Ablenkung darf manchmal ein Blitzableiter sein.

Entscheidend ist, ob sie mir eine Pause vom Gefühl ermöglicht oder ob ich dauerhaft vor dem Gefühl davonlaufe.

Eine Pause kann guttun. Für einen Moment etwas anderes wahrnehmen, lachen, Sport machen oder sich auf eine Aufgabe konzentrieren, kann die emotionale Intensität reduzieren. Das bedeutet nicht automatisch, dass wir das Geschehene verdrängen.

Problematisch kann es werden, wenn wir dauerhaft versuchen, nicht mehr zu fühlen, was da ist.

Emotionen zu regulieren bedeutet dagegen nicht, sie loszuwerden. Es bedeutet, mit ihnen statt gegen sie zu arbeiten. Wahrzunehmen, was gerade da ist, ohne sich vollständig davon überwältigen zu lassen.

Regulation kann dazu beitragen, Druck und Spannung immer wieder etwas kleiner werden zu lassen, bis sich mit der Zeit ein neuer Umgang mit einer Situation entwickeln kann.

Wenn wir uns den Auslöser für diese enorme emotionale Spannung als Blitz vorstellen, der in unser Leben eingeschlagen hat, dann brauchen wir also etwas, das mit der entstandenen Spannung umgehen kann:

einen Blitzableiter.

Andere Menschen als emotionale Blitzableiter

Ein emotionaler Blitzableiter kann ein anderer Mensch sein.

Jemand, bei dem wir nicht erklären oder funktionieren müssen. Jemand, dessen Vertrautheit uns daran erinnert, dass wir nicht allein sind. Der Halt gibt, wenn gerade etwas ins Wanken geraten ist.

Und dabei muss es nicht einmal um das gehen, was passiert ist.

Vielleicht ist es eine liebe Unterhaltung. Ein vertrauter Mensch, mit dem wir für einen Moment über etwas völlig anderes sprechen. Ein humorvoller Austausch, bei dem wir plötzlich merken: Da ist auch noch ein anderes Gefühl.

Das Schwere ist anschließend vielleicht noch genauso da und wahr. Aber für einen Augenblick spüren wir nicht nur Schmerz, Anspannung oder Verzweiflung. Auch das kann Regulation sein.

„Mir ist alles zu viel – und plötzlich wirst du zum Problem.“

Ein anderer Mensch kann uns helfen, unsere Spannung zu regulieren. Etwas völlig anderes passiert jedoch, wenn wir unsere aufgestaute Spannung an ihm abreagieren.

Dann wird aus dem Menschen, der uns vielleicht eigentlich Halt geben könnte, derjenige, den unsere eigene Überforderung trifft.

Das kann durch schroffe Bemerkungen, unverhältnismäßige Vorwürfe, Ausraster oder Zurückweisungen geschehen, die eigentlich mehr mit unserem eigenen inneren Zustand zu tun haben als mit unserem Gegenüber.

Anschließend ist vielleicht der eine erleichtert, während der andere erschüttert zurückbleibt und nun selbst mit einer emotionalen Ladung umgehen muss.

Ein guter emotionaler Blitzableiter sorgt nicht dafür, dass ein anderer Mensch unsere Spannung übernimmt.

Er hilft uns dabei, sie so zu regulieren, dass sie bei uns verarbeitet werden kann und nicht beim nächsten Menschen einschlägt.

Ein anderer Mensch darf uns also helfen, uns zu regulieren. Er sollte nur nicht derjenige sein, an dem wir unsere Spannung abreagieren. Das ist ein wichtiger Unterschied.

Emotionen regulieren: Welche emotionalen Blitzableiter helfen können

Ganz Unterschiedliches kann als emotionale Blitzableiter dienen.

Die einen gehen in die Natur, wenn alles zu viel wird. Andere brauchen Sport oder Bewegung, um Energie abzubauen. Wieder andere malen, spielen ein Instrument oder hören Musik und merken, dass sich dadurch etwas in ihrem inneren Zustand verändert.

Auch Schreiben, persönliche Erinnerungen, Rückzug, bewusst geführte Gespräche, professionelle Begleitung, vertraute Routinen oder Orte und natürlich Tiere können helfen. Manchmal verändert sogar eine Nacht Schlaf die Intensität dessen, was am Abend zuvor noch kaum auszuhalten schien.

Nicht jeder Blitzableiter funktioniert für jeden Menschen gleich.

Was den einen beruhigt und sortiert, kann einen anderen zusätzlich stressen. Der eine möchte unbedingt reden, der andere braucht erst einmal Ruhe. Der eine läuft zehn Kilometer, der andere setzt sich an einen vertrauten Ort und hört Musik.

Deshalb geht es nicht darum, den richtigen emotionalen Blitzableiter zu finden.

Es geht darum, deine zu kennen.

Blitzableiter lassen uns erfahren, dass Spannung weichen kann – zumindest für einen Moment. Die Situation ist dadurch nicht gelöst. Aber wir erleben, dass wir unserem inneren Zustand etwas entgegensetzen können.

Wenn du deine Blitzableiter kennst, kannst du in schwierigen Momenten eher auf etwas zurückgreifen, von dem du bereits weißt:

Das kann mir helfen, durch die nächsten zehn Minuten oder die nächste Stunde zu kommen.

Warum du deine Blitzableiter kennen solltest, bevor du sie brauchst

Es lohnt sich, nicht erst mitten im Unwetter darüber nachzudenken, was einem helfen könnte.

Denn wenn die emotionale Spannung bereits sehr hoch ist, fällt es oft besonders schwer, klar zu überlegen: Was könnte mir jetzt guttun?

Wer schon vorher weiß, was in schwierigen Situationen etwas Entlastung bringen kann, verhindert damit nicht, dass etwas Schlimmes passiert. Aber er hat Möglichkeiten zur Hand, wenn es passiert.

Frag dich deshalb ruhig einmal in einem guten Moment: Was hilft mir, wenn mir alles zu viel wird?

Vielleicht sind es sogar mehrere Dinge für unterschiedliche Situationen.

Du kannst dir deine persönlichen Blitzableiter aufschreiben und die Liste an einem Ort aufbewahren, an dem du sie wiederfindest. Nicht alles darauf wird in jeder Situation funktionieren. Aber du musst im emotionalen Gewitter nicht bei null anfangen.

Emotionen regulieren und emotionale Blitzableiter in akuter Trauer

Was machen wir eigentlich mit Emotionen, für die es keine Lösung gibt?

Gerade bei einem schweren Verlust geht es nicht darum, die Emotion möglichst schnell vollständig aufzulösen.

Manchmal geht es zunächst nur darum, zu wissen, was dich durch die nächsten zehn Minuten bringt. Oder durch die nächste Stunde.

Denn Trauer lässt sich nicht „lösen“.

Trauer hilft uns dabei, unser Leben neu zu ordnen, weil die alte Ordnung nach einem Verlust nicht mehr genauso weiterbestehen kann.

Trauer ist deshalb nicht der Blitz, den wir möglichst schnell ableiten müssen. Sie ist ein Prozess, in dem ganz unterschiedliche Emotionen auftauchen können – manchmal mit ungeheurer Intensität.

Auch in akuter Trauer können emotionale Blitzableiter deshalb hilfreich sein. Nicht, um Trauer verschwinden zu lassen, sondern um immer wieder etwas Druck und Spannung abzugeben.

Vielleicht ist es ein lieber Mensch, ein Spaziergang, ein Tier, Musik oder ein vertrauter Ort. Vielleicht ist es für zehn Minuten etwas vollkommen Banales, das dich kurz durchatmen lässt.

Das bedeutet nicht, dass der Verlust weniger wichtig wird oder du deiner Trauer ausweichst.

Es bedeutet lediglich, dass auch mitten in der Trauer eine Pause von maximaler emotionaler Anspannung erlaubt sein darf.

Und irgendwann kommt vielleicht die nächste Trauerwelle. Dann kann es helfen zu wissen, dass auch sie sich wieder verändern und auslaufen wird und was dir dabei helfen kann, mit ihr umzugehen.

Trauer braucht viel Kraft. Gerade diese Kraft fehlt Betroffenen jedoch häufig an allen Ecken und Enden. Umso wichtiger können kleine Dinge sein, die für einen Moment etwas Spannung lösen.

Fazit: Was ist dein emotionaler Blitzableiter?

Wir können nicht verhindern, dass ein Blitz in unser Leben einschlägt.

Verluste, Enttäuschungen, schlechte Nachrichten und Veränderungen gehören zum Leben – auch wenn wir sie uns nicht ausgesucht haben.

Aber wir können herausfinden, was uns hilft, wenn die Spannung danach zu groß wird.

Ein guter emotionaler Blitzableiter macht nicht ungeschehen, was passiert ist. Er nimmt auch Trauer, Angst oder Verzweiflung nicht einfach weg.

Er kann aber dafür sorgen, dass der Druck für einen Moment kleiner wird und wir wieder etwas Luft bekommen.

Manchmal ist dieser Blitzableiter ein Mensch. Manchmal Bewegung, Natur, Musik, Schreiben, ein Tier oder ein vertrauter Ort. Und manchmal müssen wir erst ausprobieren, was uns tatsächlich hilft.

Deshalb lohnt es sich, diese Frage nicht erst zu stellen, wenn das nächste Gewitter bereits da ist:

Was hilft dir, wenn in deinem Inneren die Spannung zu groß wird?

Es geht nicht darum, damit zu verhindern, dass der nächste Blitz einschlägt.

Es kann dir aber helfen, zu wissen, wohin mit der Spannung, wenn er es tut.

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Über die Autorin

Ich bin Uta und begleite als Psychologin Menschen in schweren Zeiten und an persönlichen Wendepunkten – mit Klarheit und menschlicher Nähe.
Wenn du mit mir gemeinsam deine Blitzableiter finden möchtest oder dir Unterstützung wünschst, buch dir hier ein unverbindliches Kennenlerngespräch.

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