Konflikte vermeiden: Harmonie um jeden Preis?

Warum äußere Harmonie nicht automatisch zu innerer Harmonie führt

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„Ich kann und mag keine Konflikte. Ich gebe lieber gleich nach und suche einen guten Kompromiss.”

Das hat mir eine Klientin vor einiger Zeit erzählt. Und solche Sätze höre ich oft.

Auf den ersten Blick klingt das vernünftig. Wer mag schon Streit? Harmonie fühlt sich besser an, also streben wir sie an. Notfalls auch um den Preis, dass wir uns dafür ein Stück zurücknehmen.

Ich sehe das anders. Und deshalb fallen mir solche Sätze besonders auf.

Dabei ist nicht der Kompromiss das Problem. Ein Kompromiss kann etwas sehr Gutes sein – wenn beide darin vorkommen. Schwierig wird es, wenn einer regelmäßig nachgibt, damit bloß kein Konflikt entsteht.

Konflikte vermeiden: Wenn es außen ruhig ist und innen nicht

Wenn wir Konflikte vermeiden möchten, tun wir viel für den Frieden. Wir geben nach, stecken zurück, kommen dem anderen entgegen. Wir wollen, dass alle zufrieden sind, dass der andere bleibt, dass er uns weiter mag.

Nach außen herrscht dann Harmonie. In dir kann es ganz anders aussehen. Du hast nachgegeben, und deine Position ist dabei zu kurz gekommen. Der andere ist zufrieden. Du vielleicht nicht, schiebst das Gefühl aber weg und sagst dir, Hauptsache, es ist friedlich. Nach außen wirkt alles harmonisch. Die äußere Harmonie stimmt.

Meine Klientinnen und Klienten zeigen mir immer wieder, wie anstrengend das auf Dauer ist: außen Harmonie herzustellen und innen etwas anderes zu spüren. Du fühlst dich kleiner. Wer immer nachgibt, verliert mit der Zeit auch ein Stück von sich selbst.

Was innere Harmonie braucht

Innere Harmonie entsteht für mich nicht dadurch, dass es allen anderen gut geht. Sie beginnt damit, dass du dich selbst ernst nimmst. Das heißt: wahrnehmen, dass etwas für dich so nicht passt. Und es sagen, ohne Vorwurf.

Das ist anfangs oft anstrengender. Es kann sich unbequem anfühlen, für beide Seiten. Vielleicht braucht dein Gegenüber etwas ganz anderes als du. Das ist kein Grund zu schweigen, denn nur so weiß der andere, woran er bei dir ist.

Es kann Verschiedenes passieren:

  • Dein Gegenüber versteht dich und merkt erst jetzt, was dich verletzt hat.
  • Es kommt eine Entschuldigung, weil dein Gegenüber dich gar nicht verletzen wollte.
  • Und manchmal bleibt es nicht bei einem Gespräch. Ein Konflikt kann entstehen.

Aber auch bei letzterem kannst du etwas gewinnen: Klarheit. Dein Gegenüber kennt deine Sicht und kann sich dazu verhalten.

Konflikte ansprechen: Wie kann das klingen?

Du musst dafür nicht laut werden. Oft reichen schon einfache Sätze:
„Mir ist wichtig, dass …”
„Ich merke, dass mir das gerade schwerfällt, weil …”
„Ich brauche dafür etwas anderes als du.”

Sätze, die bei dir anfangen und nicht beim Vorwurf.

Ein Konflikt kann auch Wertschätzung zeigen

Wenn dir eine Beziehung wichtig ist, kann es auch ein Zeichen von Wertschätzung sein, dich einer Auseinandersetzung zu stellen, statt dich einfach zurückzunehmen. Du bringst dich ein und nimmst dafür in Kauf, dass es erst einmal unbequem wird.

Das darf deinem Gegenüber ruhig auch schmeicheln. Immerhin bist du bereit, dich mit ihm auseinanderzusetzen, weil er dir so viel wert ist.

Das ist Beziehungsarbeit. Und wer sagt eigentlich, dass Beziehungen, egal welcher Art, immer konfliktfrei sein müssen?

Es gibt kein Ergebnis, das ich dir versprechen kann

Ich möchte ehrlich sein: Ein Gespräch kann zu neuer Nähe führen. Es kann aber auch zeigen, dass zwei Menschen auseinanderdriften. Und manchmal kann es sogar zum Bruch kommen, weil sich keine gemeinsame Basis mehr herstellen lässt.

Ohne Risiko geht es nicht. Aber ich glaube, dass sich das Risiko oft lohnt, vor allem bei Menschen, die dir etwas bedeuten. Weil du unabhängig von der Reaktion deines Gegenübers weißt: Ich habe mich selbst und das, was mir wichtig ist, nicht übergangen.

Nicht jeder Konflikt lohnt sich, und es lohnt sich nicht mit jedem Menschen in Konflikt zu treten. Du darfst abwägen, wo du dich äußern möchtest. Und wenn du dich in einer Beziehung nicht sicher fühlst, ist es richtig, dir zuerst Unterstützung zu holen.

Konflikte vermeiden: Eine Frage zum Mitnehmen

Wann hast du zuletzt Ja gesagt und Nein gemeint?
Und was hätte sich verändert, wenn du es ausgesprochen hättest?

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Über die Autorin

Ich bin Uta und begleite als Psychologin Menschen in schweren Zeiten und bei Beziehungsthemen – mit Klarheit und menschlicher Nähe.

Wenn du merkst, dass es dir allein schwerfällt, deine Bedürfnisse auszusprechen, unterstütze ich dich gern dabei. Im kostenlosen Kennenlerngespräch schauen wir gemeinsam, was du brauchst.

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