Volle Ränge im Madison Square Garden bei einer der größten Rockbands der Welt: Bon Jovi.
Soweit alles „normal“ – wäre da nicht die Geschichte von Jon Bon Jovis Stimme, die eigentlich das Ende seiner Live-Shows hätte bedeuten können.
2022 musste sich Jon Bon Jovi einer Operation an seinen Stimmbändern unterziehen. Es folgten Jahre der Rehabilitation und lange war nicht klar, ob seine Stimme jemals wieder für eine komplette Tour reichen würde.
Heute steht er wieder auf den größten Bühnen der Welt.
Aber vielleicht ist das Interessanteste an dieser Geschichte gar nicht, dass er es zurück auf die Bühne geschafft hat, sondern wie.
Es ist vermutlich schwer vorstellbar, was es für einen Menschen bedeutet, plötzlich nicht mehr das tun zu können, was er liebt.
Etwas, das nicht einfach nur ein Beruf ist, sondern einen großen Teil des eigenen Lebens ausmacht, vielleicht sogar die eigene Identität.
Für jemanden, der Welthits geschrieben, jahrzehntelang auf Bühnen gestanden und sein Leben mit Musik verbracht hat, gehört das Singen und Performen vermutlich untrennbar dazu.
Und dann funktioniert ausgerechnet das nicht mehr.
Solche Einschnitte kennen viele Menschen – wenn auch in ganz anderen Zusammenhängen.
Manche gesundheitlichen Veränderungen sind irreversibel, andere heilen. Und bei wieder anderen ist lange unklar, was überhaupt wieder möglich sein wird.
Dann beginnt manchmal ein Weg, der sehr viel Durchhaltevermögen braucht. Tägliches Dranbleiben und Geduld. Ein Ziel, auf das man hinarbeitet, obwohl niemand garantieren kann, dass man es erreicht.
Jon Bon Jovi hat diesen Weg gewählt, wie er auch in seiner Doku verraten hat.
Er hat nicht aufgegeben. Er hat an seiner Stimme gearbeitet, sich seine Songs zurückerarbeitet und währenddessen sogar neue Musik geschaffen.
Und: Er hat es tatsächlich wieder auf die Bühne geschafft. Nicht in irgendeine kleine Kellerbar, nur um überhaupt wieder singen zu können.
Er ist zurück auf den größten Bühnen. Dort, wo seine Musik seit Jahrzehnten hingehört und wo er gemeinsam mit seiner Band Menschen bewegt.
Das Spannende dabei ist allerdings, dass die eigentliche Leistung vielleicht gar nicht darin besteht, wieder exakt der Mensch zu werden, der man vorher war.
Vielleicht geht es vielmehr darum herauszufinden, was mit dem, was heute möglich ist, noch entstehen kann. Denn in vielen Fällen gibt es kein Zurück zum alten Zustand. Aber es kann trotzdem ein Weiter geben.
Was Jon Bon Jovi dabei nie verborgen hat, ist sein Weg.
Er hat offen darüber gesprochen, wie es um seine Stimme steht. Er hat Einblicke gegeben, nicht verschwiegen, dass er leidet, und auch vor der Tour keinen Hehl daraus gemacht, dass seine Stimme ein Thema bleiben würde.
Jeder, der ein Ticket gekauft hat, konnte davon wissen. Es hat seine Fans offensichtlich nicht davon abgehalten.
Und genau darin steckt für mich bei aller Berühmtheit etwas sehr Menschliches.
Wir vergessen schnell, dass Menschlichkeit und Ehrlichkeit manchmal viel wichtiger sind als Perfektion und Makellosigkeit.
Wie du mit anderen Menschen umgehst, ist am Ende vielleicht wichtiger als die Frage, ob jede einzelne Note perfekt getroffen wird.
Er selbst nennt seine Erfahrung mit der Tour „imperfectly perfect“.
Und vielleicht liegt genau darin auch eine Sehnsucht vieler Menschen: Nicht perfekt zu sein.
Mit den eigenen Entwicklungen, Veränderungen und Begrenzungen umzugehen und trotzdem sagen zu können:
Ich bin noch da. Und ich darf mich zeigen.
In meiner Arbeit erlebe ich oft, wie viel Kraft es kostet, beides gleichzeitig zu halten: zu sich zu stehen – mit allem, was gerade nicht mehr geht oder ist – und sich trotzdem weiterzuentwickeln. Viele glauben, sie müssten sich entscheiden: entweder akzeptieren oder verändern. Dabei gehört beides zusammen.
Wir können gar nicht die Version von uns bleiben, die wir waren – das entspricht nicht dem Lauf des Lebens. Erst recht nicht, wenn sich Grundlegendes ändert. Uns treu bleiben wir nicht, indem wir in dem verharren, was war, sondern indem wir annehmen, was ist, und uns gerade deshalb weiterentwickeln.
Ein Satz, der Jon Bon Jovi stark prägt, lautet: „’We’ can carry more than ‘me’.“ Und das hat er in der letzten Zeit deutlich erfahren.
Der Gedanke zieht sich auch durch seine Geschichte.
Seine Band steht hinter ihm. Menschen, die seit vielen Jahren an seiner Seite sind, gehen diesen Weg mit ihm, glauben an ihn und stärken ihm den Rücken.
Sie fangen auf, was er gerade nicht kann. Sie tragen mit. Und sie haben offensichtlich weiterhin Spaß miteinander – das spürt man jede Sekunde bei seinen Konzerten.
Vielleicht besteht Stärke eben nicht immer darin, alles selbst hinzubekommen.
Manchmal bedeutet Stärke auch, Menschen um sich zu haben, die eine Zeit lang mittragen, was man selbst gerade nicht tragen kann.
Für mich gehört genau das zum Bon-Jovi-Spirit: Nicht aufzugeben. Menschlich zu bleiben. Loyal zu sein. Und füreinander einzustehen – gerade dann, wenn es schwierig wird. „Because we can.“
Und gleichzeitig bedeutet Dranbleiben nicht, jede Grenze zu übergehen.
Auch das hat Jon Bon Jovi während seiner Konzerte eindringlich gezeigt.
Als er während eines Konzerts zusätzlich erkrankt war und nach rund 90 Minuten merkte, dass es nicht mehr geht, hat er abgebrochen.
Mehrere Tausend Menschen standen vor ihm.
Trotzdem hat er seine Grenze ernst genommen und kommuniziert.
Und gleichzeitig hat er nicht vergessen, dass dort Menschen im Publikum stehen, die sich seit Monaten auf diesen Abend gefreut haben.
Er hat erklärt, was los ist, die Situation aufgefangen. Sein Publikum verabschiedete ihn mit viel Verständnis und Applaus. Auch das ist Stärke.
Sich selbst ernst zu nehmen, ohne das Gegenüber aus dem Blick zu verlieren.
Die eigene Grenze zu kennen und trotzdem wahrzunehmen, was eine Situation für andere bedeutet.
Menschlichkeit und Respekt – sich selbst und anderen gegenüber.
Natürlich leben die meisten von uns nicht das Leben eines Rockstars.
Aber die grundlegende Frage kennen vielleicht viele:
Was glaubst du, geht für dich nicht mehr?
Nicht unbedingt körperlich.
Vielleicht geht es darum,
Manchmal entscheiden wir sehr früh, dass etwas vorbei ist.
Aufgrund unseres Alters. Aufgrund einer Erfahrung. Weil etwas einmal nicht funktioniert hat oder weil wir uns verändert haben.
Nicht alles wird möglich, nur weil wir mutig sind.
Und nicht jede Grenze lässt sich überwinden.
Aber ohne den Mut, es überhaupt zu versuchen, erfahren wir manchmal nie, was noch möglich gewesen wäre.
Über meinem Schreibtisch hängt ein Satz, den ich sehr mag:
„Mit Mut fangen die schönsten Geschichten an.“
Mut bedeutet dabei nicht, sicher zu wissen, dass etwas funktionieren wird.
Mut bedeutet auch nicht, jede Grenze überwinden zu müssen.
Vielleicht bedeutet Mut manchmal einfach, noch nicht selbst zu entscheiden, dass etwas unmöglich geworden ist.
Einen ersten Schritt zu machen. Dranzubleiben, solange es sich lohnt. Hilfe anzunehmen, wenn man sie braucht. Die eigenen Grenzen ernst zu nehmen.
Und trotzdem neugierig darauf zu bleiben, was vielleicht noch möglich ist.
Vielleicht wird es nicht wieder genauso wie früher.
Aber vielleicht kann etwas Neues daraus entstehen, das ebenfalls gut ist.
Manchmal erfahren wir das erst, wenn wir den Mut hatten, es herauszufinden.
Wenn Veränderungen das eigene Leben auf den Kopf stellen
Manchmal reicht Mut allein nicht. Wenn eine Veränderung, ein Verlust oder eine Krise dazu führt, dass du nicht mehr weißt, wie es weitergehen soll, kann es helfen, gemeinsam zu sortieren, was gerade ist – und was von hier aus wieder möglich werden kann.
Denn mit Mut fangen die schönsten Geschichten an. Manchmal auch mit einem Gespräch. Wenn du herausfinden möchtest, was für dich wieder oder neu möglich werden kann, kannst du dir gern unten ein unverbindliches Kennenlerngespräch buchen.
Ich bin Uta und begleite als Psychologin Menschen in schweren Zeiten und an persönlichen Wendepunkten – mit Klarheit und menschlicher Nähe.
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